Tiefe, Effekt und Erfolgserlebnis

Bei den therapeutischen Inszenierungen steht die Tiefe des Erlebens ganz im Vordergrund, so dass die Klienten vom situativen Geschehen wirklich ergriffen sind. Dann ist auch der Effekt am größten: Die Patienten sind von sich selber oft am meisten überrascht: „Dass ich mich jemals wieder so frei oder so leicht fühlen könnte…“, sind häufige Aussagen.
Ohne dass man es groß betonen müsste, verbuchen die Klienten diese wohltuende Veränderung meist für sich als wichtiges Erfolgserlebnis.

Das Erfolgserlebnis wirkt umso stärker,

  • je kürzer die Dauer der Inszenierung war (wie in der Physik: Leistung ist nicht Arbeit mal, sondern pro Zeit).

Eine gute szenische Darstellung sollte nicht länger als 20 min dauern, sonst steigt erstens der Erwartungsdruck, zweitens die Versagensangst und drittens die Ermüdung. Gleichzeitig nehmen Konzentration und Risikobereitschaft ab.

  • je weniger die Risikobereitschaft strapaziert wird. Also möglichst nah am Erlebensspielraum der Pat. dranbleiben.
  • je mehr Tiefe – oder in der Theatersprache: Dramatik – erreicht wurde.

Die Wahrscheinlichkeit, von der Szene ergriffen zu sein, steigt mit der Anzahl der verschiedenen Ebenen, die auf Patientenseite erreicht werden konnten (siehe dort) und mit der Kürze der Pointierung.

  • je eher die Klienten ihren eigenen salutogenetischen Beitrag erkennen und wertschätzen können.

Ideal ist es, wenn durch die Inszenierung der bisherige Gestaltungsraum spürbar erweitert wurde ohne Insuffizienzgefühle zu provozieren; als hilfreich hat sich hier die Frage erwiesen, wo denn das Gefühl, stolz auf sich zu sein, im Körper lokalisiert wird. In der Regel braucht es hier eine gewisse Zähigkeit; denn diese Frage wird beim ersten Mal oft missverstanden bzw. unterschlagen oder ruft (erwartungsgemäß) Verwunderung hervor.

  • je fokussierter und ausgestanzter das Thema dargestellt wurde.

Jede Verallgemeinerung verwässert den Effekt. Patienten neigen oft zum Ausufern oder Überdetaillieren in der Darstellung und kannibalisieren damit den Heilungserfolg. Hier ist klare Regie gefragt.

  • Je intensiver eine Überraschungsreaktion hervorgerufen werden konnte, also je weniger die Regie dem folgt, was auf Patientenseite schon antizipiert wurde.

Das Durchkreuzen der Erwartungshaltung führt zu einer spontanen Erhöhung der Aufmerksamkeit.

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